Siebter Deep-Dive: Bildung. Das Kapitel mit dem größten Abstand zwischen Wirklichkeit und System.
Vier von fünf US-Schülerinnen und Schülern nutzen AI für Schulaufgaben. Gleichzeitig hat nur jede zweite Schule überhaupt eine Regel dazu, und nur 6 Prozent der Lehrkräfte sagen, ihre Regel sei klar verständlich. Wer im Schulkontext über AI diskutiert, diskutiert über etwas, das längst passiert ist.
An den Hochschulen verschiebt sich das Bild ebenfalls. Im Studienfach Informatik brachen die US-Einschreibungen 2024 zu 2025 um 11 Prozent ein. AI-Master-Programme wuchsen im gleichen Jahr um 17 Prozent, in den zwei Jahren davor sogar um 82 Prozent. Studierende reagieren auf die Verschiebung im Job-Markt schneller als die Studienpläne.
Eine Detailbeobachtung, die mich überrascht hat: die Universität, die in den USA die meisten AI-Bachelor-Abschlüsse vergibt, ist eine reine Online-Universität. Auch auf Platz zwei steht eine Online-Schule. Berkeley folgt erst auf Platz drei. Wer das Bild "AI-Talent kommt aus den Elite-Universitäten" hat, schaut auf die falsche Liste.
Für Unternehmen im DACH-Raum heißt das praktisch: wenn ihr mit Schulen oder Hochschulen kooperiert, seid auf einen langen Bremsweg vorbereitet. China und die Emirate haben für das Schuljahr 2025-26 verpflichtenden AI-Unterricht eingeführt. Bei uns geht die Diskussion noch um Pilotversuche. In den eigenen Mandaten erlebe ich, dass die Nachfrage nach AI-Schulungen weit größer ist als das, was formal etabliert ist.
Nächster Deep-Dive: Policy.
Zuerst erschienen auf LinkedIn.
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