Fünfter Deep-Dive: Wissenschaft. Ein gemischtes Bild. In einigen Disziplinen hat AI 2025 einen echten Sprung gemacht, in anderen ist sie noch weit von der Praxisreife entfernt.
Wo es richtig läuft: Strukturbiologie, Wettervorhersage, Materialforschung. Ein neues System namens Aardvark Weather hat 2025 erstmals die komplette klassische Wettervorhersage durch ein einzelnes AI-Modell ersetzt. Ein anderes erstellt eine 60-Tage-Globalprognose in unter vier Minuten, deutlich schneller als alle etablierten Verfahren. Auch in der Chemie schlagen die besten Modelle den Durchschnittschemiker bei einem standardisierten Wissenstest.
Wo es nicht läuft: das selbstständige Forschen. Wenn AI-Agenten ganze Forschungsabläufe übernehmen sollen, also vom Lesen der Literatur über die Hypothese bis zur Auswertung, fallen die Werte ein: 39 Prozent Trefferquote für die besten AI-Agenten gegen 84 Prozent bei einem Doktoranden. Bei der Bioinformatik schaffen die Modelle nur 17 Prozent. Beim Reproduzieren ganzer astrophysikalischer Paper schaffen alle getesteten Modelle weniger als 20 Prozent.
Was mir an dem Kapitel besonders gefällt: AI für Wissenschaft entsteht überwiegend an Universitäten und in Forschungseinrichtungen, nicht in den großen Tech-Konzernen. Datensätze für die Erdbeobachtung kommen sogar zu 100 Prozent aus dem öffentlichen Sektor. Wer wissenschaftliche AI in Deutschland aufbauen will, kann sich auf eine Spielfläche bewegen, die nicht von Big Tech beherrscht wird.
Nächster Deep-Dive: Medizin.
Zuerst erschienen auf LinkedIn.
Zurück: 111M Kleines Spezialmodell schlägt Riese Alle Teile der Serie Weiter: 2,4% FDA-zugelassene AI-Geräte mit RCT-Evidenz